Erste Generation: W901–W905 (1995–2006)
Mit der ersten Generation des Sprinter löste Mercedes-Benz 1995 den in die Jahre gekommenen T1 ab und revolutionierte das Segment der leichten Nutzfahrzeuge. Der auf der IAA Nutzfahrzeuge 1994 vorgestellte Transporter setzte neue Maßstäbe in Sachen Sicherheit, Komfort und Effizienz. Als erster Transporter seiner Klasse bot er serienmäßig ABS, Fahrerairbag und moderne Common-Rail-Dieselmotoren. Die Baureihen W901 (Kastenwagen), W902 (Kombi), W903 (Bus) und W904 (Pritsche/Fahrgestell) deckten alle relevanten Aufbauformen ab. Zum Marktstart standen vier Dieselmotoren zur Wahl: Der 2.9-Liter-Fünfzylinder wurde in drei Leistungsstufen mit 79, 102 und 122 PS angeboten, während ein 2.3-Liter-Vierzylinder mit 143 PS die Spitze bildete. Für Märkte außerhalb Europas gab es zusätzlich Ottomotoren.
Das Platzangebot war für damalige Verhältnisse revolutionär: Mit drei Radständen, drei Dachhöhen und drei Längen bot der erste Sprinter Laderäume zwischen 7,5 und 17 Kubikmetern. Die Nutzlast bewegte sich je nach Variante zwischen 800 und 1.500 kg. Ein wichtiges Verkaufsargument war der niedrige Ladeboden, der das Be- und Entladen deutlich erleichterte. Ab 1997 wurde die Modellpalette um den Super-Hochdachkasten erweitert, der Stehhöhe im Laderaum ermöglichte. 2000 erfolgte eine umfassende technische Überarbeitung: Die Common-Rail-Dieselmotoren der ersten Generation wurden durch modernere OM611- und OM612-Aggregate ersetzt, die mehr Leistung bei geringerem Verbrauch boten. Die Leistungsspanne reichte nun von 82 bis 156 PS. Gleichzeitig verbesserte Mercedes-Benz die Sicherheitsausstattung durch ein ESP, das speziell auf die hohen Aufbauten abgestimmt war.
Zweite Generation: W906 (2006–2018)
Im Juni 2006 präsentierte Mercedes-Benz die zweite Sprinter-Generation (W906), die nicht nur optisch, sondern auch technisch einen großen Schritt nach vorn machte. Das Design war deutlich moderner und aerodynamischer, was sich positiv auf den Luftwiderstand und damit auf den Kraftstoffverbrauch auswirkte. Die neue Generation basierte auf einer vollständig überarbeiteten Plattform und bot erstmals auch Allradantrieb (4x4) serienmäßig an. Die Motorenpalette startete mit dem 2.1-Liter-Vierzylinder-Diesel (OM651) in Leistungsstufen von 95, 129 und 163 PS. Für höhere Anforderungen stand ein 3.0-Liter-V6-Diesel (OM642) mit 190 PS zur Verfügung. Alle Motoren erfüllten die Euro-4-Norm, ab 2008 wurden sie auf Euro 5 aktualisiert.
Der W906 überzeugte durch seine Variabilität: Mit vier Radständen (3.250, 3.665, 4.325 und 4.325 mm Super Long), drei Dachhöhen und zahlreichen Aufbauvarianten bot er Laderäume zwischen 7,5 und 17 Kubikmetern bei Nutzlasten bis zu 2.100 kg. Erstmals gab es den Sprinter auch als Personentransporter mit bis zu 19 Sitzplätzen. Das Cockpit war deutlich pkw-ähnlicher gestaltet als beim Vorgänger, mit besseren Materialien und einer logischeren Bedienung. 2009 führte Mercedes-Benz den BlueEFFICIENCY-Sprinter ein, der durch aerodynamische Optimierungen, Start-Stopp-Automatik und ECO-Gear-Getriebe bis zu 15 Prozent weniger Kraftstoff verbrauchte.
Das erste Facelift erfolgte 2013 und brachte neben dezenten optischen Retuschen vor allem technische Neuerungen. Die Dieselmotoren erhielten SCR-Katalysatoren mit AdBlue-Einspritzung, um die Euro-6-Norm zu erfüllen. Die Leistung der Basismotorisierung sank auf 95 PS, während die mittleren Aggregate nun 114, 143 und 163 PS leisteten. Der V6 blieb bei 190 PS. Neu war das 7G-TRONIC-PLUS-Automatikgetriebe, das für deutlich mehr Fahrkomfort sorgte. 2016 erhielt der Sprinter ein zweites, umfassenderes Facelift mit überarbeiteter Frontpartie, LED-Tagfahrlicht und neuer Motorengeneration. Die Vierzylinder-Diesel leisteten nun 114, 143 und 163 PS, der V6 wurde auf 188 PS gedrosselt. Gleichzeitig verbesserte Mercedes-Benz die Assistenzsysteme: Crosswind Assist, Attention Assist und ein adaptiver Tempomat waren nun verfügbar.
Dritte Generation: W907 (seit 2018)
Im Februar 2018 stellte Mercedes-Benz auf einer eigenen Veranstaltung in Duisburg die dritte Sprinter-Generation vor, die im Sommer desselben Jahres auf den Markt kam. Der W907 markiert einen Quantensprung in puncto Digitalisierung, Konnektivität und Effizienz. Erstmals verfügt ein Transporter über das volldigitale Multimedia-System MBUX (Mercedes-Benz User Experience) mit Touchscreen, Sprachsteuerung und umfassenden Telematikfunktionen. Über Mercedes PRO connect können Fuhrparkmanager Fahrzeugdaten in Echtzeit abrufen, Wartungsintervalle planen und Routen optimieren. Das Armaturenbrett ist klar strukturiert und bietet wahlweise analoge Rundinstrumente oder ein volldigitales Cockpit.
Technisch basiert der aktuelle Sprinter auf einer neuen Plattform, die deutlich steifer ist als beim Vorgänger und bessere Fahrwerksabstimmungen ermöglicht. Die Hinterachsfederung wurde komplett überarbeitet, was zusammen mit der elektromechanischen Lenkung für ein deutlich agileres Fahrverhalten sorgt. Die Motorenpalette umfasst ausschließlich Vierzylinder-Diesel: Der OM654 leistet in verschiedenen Ausbaustufen 114, 143, 163, 170 und 190 PS. Alle Aggregate erfüllen die Euro-6d-Temp-Norm und sind serienmäßig mit SCR-Katalysator und AdBlue ausgestattet. Zur Wahl stehen ein 6-Gang-Schaltgetriebe und die 9G-TRONIC-Automatik, die besonders im Stadt- und Überlandverkehr für geringen Verbrauch sorgt.
Das Platzangebot ist erneut gewachsen: Mit vier Radständen (3.259, 3.665, 4.325 und 5.190 mm), drei Dachhöhen und zahlreichen Aufbauvarianten bietet der W907 Laderäume bis zu 17 Kubikmetern bei Nutzlasten bis zu 3.100 kg (bei Modellen bis 5,0 Tonnen zGG). Der Allradantrieb 4x4 ist weiterhin verfügbar und bietet jetzt auch eine zuschaltbare Differentialsperre. Zu den Sicherheits- und Assistenzsystemen gehören Active Brake Assist mit Fußgängererkennung, Spurhalteassistent, Abstandstempomat, Totwinkelassistent und Aufmerksamkeitsassistent – ein Ausstattungsniveau, das im Transporter-Segment seinesgleichen sucht.
2019 wurde die Modellpalette um den vollelektrischen eSprinter ergänzt, zunächst mit 55 kWh Batteriekapazität und 114 PS Leistung. 2023 erfolgte ein umfassendes Update des eSprinter: Die zweite Generation des Elektro-Sprinters bietet nun Akkus mit 81 oder 113 kWh Kapazität, die Reichweiten bis zu 475 km (WLTP) ermöglichen. Die Ladeleistung beträgt bis zu 115 kW DC, womit der Akku in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden kann. Der Elektromotor leistet 150 kW (204 PS) und bietet ein maximales Drehmoment von 440 Nm, was für kraftvolle Beschleunigung auch bei voller Beladung sorgt. Der eSprinter ist in den gleichen Längen und Dachhöhen verfügbar wie die Diesel-Varianten und bietet Nutzlasten bis zu 1.045 kg.
2023 erhielt auch die Diesel-Variante ein dezentes Facelift mit überarbeiteten Scheinwerfern, neuem Kühlergrill und erweiterten Konnektivitätsfunktionen. Das MBUX-System wurde auf die neueste Software-Version aktualisiert und bietet nun auch Over-the-Air-Updates. Die Assistenzsysteme wurden verfeinert und arbeiten präziser. Mit diesem Update festigte Mercedes-Benz die Position des Sprinter als technologisch führenden Transporter, der gleichermaßen traditionelle Dieselkunden wie auch Unternehmen anspricht, die auf Elektromobilität setzen. Der Sprinter bleibt damit das Rückgrat unzähliger Handwerksbetriebe, Lieferdienste und Personentransporteure in Deutschland und Europa.