Die erste Generation (1967-1977): Baureihe 207-413
Im Jahr 1967 stellte Daimler-Benz den T2 als Nachfolger des L 319 vor. Die neue Baureihe wurde in Düsseldorf entwickelt und präsentierte sich mit einer modernen, kantigen Frontpartie mit großen Rechteckscheinwerfern. Das charakteristische Merkmal war die Haubenbauweise mit dem Motor zwischen Fahrerkabine und Vorderachse (Frontlenker-Konzept). Die erste Generation umfasste Modelle von 207 D bis 413 mit Nutzlasten zwischen 1,1 und 5,8 Tonnen. Als Antrieb dienten ausschließlich Vierzylinder-Dieselmotoren vom Typ OM 615 und OM 616 mit Hubraum von 2,2 bis 3,8 Litern und Leistungen zwischen 37 kW (50 PS) beim 207 D bis 96 kW (130 PS) bei den großen Varianten. Die Kraftübertragung erfolgte über ein manuelles Schaltgetriebe mit vier oder fünf Gängen. Der T2 war als Kastenwagen, Pritschenwagen, Fahrgestell mit Kabine und Kleinbus verfügbar. Besonders geschätzt wurde die hohe Zuladung und die Möglichkeit, verschiedenste Aufbauten zu realisieren. Die Technik war bewusst einfach gehalten, um Wartung und Reparaturen auch in kleineren Werkstätten zu ermöglichen.
Die zweite Generation (1977-1986): Modernisierter T2
1977 erhielt der T2 eine umfassende Überarbeitung, die sich vor allem optisch bemerkbar machte. Die Front wurde neu gestaltet mit einer moderneren Scheinwerferanordnung und einem überarbeiteten Kühlergrill. Die Kabine wurde komfortabler ausgestattet, und die Ergonomie verbessert. Technisch blieb man weitgehend bei bewährten Lösungen, führte aber neue Motoren ein. Der OM 616 wurde überarbeitet und leistete nun in verschiedenen Ausbaustufen zwischen 44 kW (60 PS) und 66 kW (90 PS). Bei den größeren Modellen kam der Fünfzylinder-Diesel OM 617 mit 3,0 Litern Hubraum und bis zu 88 kW (120 PS) zum Einsatz. Die Bremsanlage wurde verbessert, und optional war nun auch eine Servolenkung erhältlich, was die Handhabkeit besonders bei den schweren Varianten deutlich verbesserte. Das Modellprogramm wurde übersichtlicher strukturiert: Die kleineren Versionen 207-309 D richteten sich an Gewerbetreibende und Handwerker, während die Modelle 310-413 für schwere Transportaufgaben konzipiert waren. In dieser Generation etablierte sich der T2 endgültig als meistgekaufter Transporter seiner Klasse in Deutschland.
Die dritte Generation (1986-1996): Der späte T2
1986 erhielt der T2 sein letztes großes Update, mit dem er bis 1996 produziert wurde. Die Front wurde erneut modernisiert und erhielt rechteckige Scheinwerfer in einer glatteren Karosseriefront. Der Innenraum wurde zeitgemäßer gestaltet mit einem neuen Armaturenbrett und verbesserten Sitzen. Die wichtigste technische Neuerung war die Einführung moderner Dieselmotoren mit Wirbelkammer- und später auch Direkteinspritzung. Der OM 601 mit 2,3 Litern Hubraum leistete 58-66 kW (79-90 PS), während der OM 602 mit 2,9 Litern bis zu 95 kW (129 PS) abgab. Bei den Schwergewichten kam der OM 364 mit vier Zylindern und 3,97 Litern Hubraum zum Einsatz, der 85 kW (116 PS) leistete. Ab 1988 wurde optional ein Fünfgang-Automatikgetriebe angeboten, was den Fahrkomfort besonders im städtischen Stop-and-Go-Verkehr erhöhte. Die Sicherheitsausstattung wurde sukzessive verbessert: ABS wurde optional verfügbar, und die Karosserie erhielt verstärkte Strukturen. In den 1990er-Jahren wurden die Emissionsvorschriften verschärft, weshalb die Motoren mit Oxidationskatalysatoren ausgerüstet wurden. Der Verbrauch lag je nach Modell und Beladung zwischen 9 und 14 Litern Diesel auf 100 Kilometer.
Sonderversionen und Varianten
Über die gesamte Produktionszeit entstanden zahlreiche Sonderversionen des T2. Besonders beliebt waren die Kleinbusse mit bis zu 15 Sitzplätzen, die als Betriebs- und Schulbusse eingesetzt wurden. Mercedes-Benz bot werksseitig verschiedene Radstände und Kabinenlängen an. Zahlreiche Aufbauhersteller realisierten Spezialaufbauten: Krankenwagen für Rettungsdienste, Feuerwehrfahrzeuge, mobile Verkaufswagen, Wohnmobile und Kühlkoffer waren weit verbreitet. Der T2 wurde auch als Pritschenwagen mit Doppelkabine angeboten, was ihn für Bauunternehmen attraktiv machte. Eine Besonderheit waren die Allradversionen, die in Kooperation mit Spezialfirmen entstanden und vor allem bei Forstbetrieben und in alpinen Regionen gefragt waren. Die robusten Fahrwerke mit Starrachsen vorne und hinten sowie Blattfedern machten den T2 extrem geländegängig. Die Modellbezeichnungen folgten einem klaren System: Die ersten beiden Ziffern gaben das zulässige Gesamtgewicht in Zentnern an (207 = 2,7 t, 413 = 4,1 t), das "D" stand für Diesel.
Das Ende einer Ära und das Erbe
1995 präsentierte Mercedes-Benz den Sprinter als Nachfolger des T2. Die Produktion des T2 lief 1996 nach fast 30 Jahren aus, wobei die letzten Exemplare in Spanien gefertigt wurden. Insgesamt wurden über eine Million T2 produziert. Der Sprinter übernahm mit moderner Technik, Frontantrieb und komfortablerer Kabine die Rolle des T2, konnte dessen legendären Ruf in Sachen Robustheit jedoch erst nach einigen Jahren erreichen. Heute sind gut erhaltene T2 begehrte Sammlerobjekte und werden von Liebhabern gepflegt. Besonders die frühen Modelle mit der charakteristischen runden Frontpartie und die späten, gut ausgestatteten Versionen erzielen auf dem Gebrauchtmarkt hohe Preise. Viele T2 sind noch immer im Einsatz, was die außergewöhnliche Langlebigkeit dieser Baureihe unterstreicht. Die einfache Technik ermöglicht Reparaturen auch nach Jahrzehnten, und Ersatzteile sind über Spezialanbieter weiterhin verfügbar. Der T2 gilt als einer der zuverlässigsten Transporter, die je gebaut wurden, und hat sich einen festen Platz in der Automobilgeschichte gesichert. Seine Vielseitigkeit, Robustheit und Wirtschaftlichkeit machten ihn zum perfekten Arbeitswerkzeug für eine ganze Generation von Handwerkern und Gewerbetreibenden.